Raumzeit in Theater, Kino und Ausstellung

EINLEITUNG

Die folgende Raumzeitanalyse beschäftigt sich mit dem Begriff der Raumzeit in Theater, Kino und Ausstellung aus zwei Perspektiven: Und zwar aus der objektiven physikalischen Perspektive und aus der subjektiven wahrnehmungsbezogenen Perspektive. Um beide Perspektiven zu verknüpfen, wird in dieser Arbeit davon ausgegangen, dass in der Kunst physische, empirische und geistige Realitäten bzw. Raumzeiten im Wechselverhältnis zueinanderstehen. Deshalb wird hier ein Unterschied zwischen physischen Raumzeitakteuren und -faktoren sowie zwischen ihrer empirischen Beobachtung und ihrer geistigen Wahrnehmung gemacht. Daraus entsteht die These, dass eine bestimmte Raumzeit in Theater, Kino und Ausstellungen aus dem Wechselverhältnis zwischen physischer, empirischer und geistiger Realität besteht.

Um die Raumzeit in Theater, Kino und Ausstellung auf einer physischen, empirischen und geistigen Ebene zu analysieren, wird die Allgemeine- und Spezielle Relativitätstheorie von Albert Einstein mit verschiedenen Kunst- und Wahrnehmungstheorien in Beziehung gesetzt. Kunst und Physik sind zwei unterschiedliche Disziplinen, die jeweils einem subjektiven wahrnehmungsgemäßen und einem objektiven mathematischen Verständnis der Raumzeit entsprechen. Deswegen wird in dieser Raumzeitanalyse nicht das Ziel verfolgt, die Raumzeitgesetze mit den Raumzeitaktionen in der Kunst zu vereinen, sondern die Überschneidungen zwischen beiden Raumzeit-Begriffen zu analysieren.

Zu diesem Zweck wird in Kapitel 2 ein Realitätsspektrum entworfen, welches für die gesamte Raumzeitanalyse verwendet wird und dazu dienen soll die Raumzeit in Theater, Kino und Ausstellung auf einer physikalischen, empirischen und geistigen Ebene zu analysieren. Unter Berücksichtigung des Raumzeitspektrums wird die Struktur dieser Raumzeitanalyse entworfen. In Kapitel 3 wird analysiert, inwiefern sich die Raumzeitgesetze der Relativitätstheorie auf die empirische und geistige Raumzeit von Theater, Kino und Ausstellung beziehen lassen. Um den Unterschied zwischen empirischer und geistiger Raumzeit zu verdeutlichen, wird ein Unterschied zwischen externem, objektivem und internem subjektivem Beobachtungsstandpunkt gemacht.

In Kapitel 3.1 werden Körper, Licht und Schall anhand der Theorie von Adolphe Appia, der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein und anderen Kunstwissenschaftler_innen untersucht, um zu analysieren, inwiefern die Raumzeitakteure in der physischen und empirischen Realität je nach Darstellungsform wirken. Danach wird in Kapitel 3.2 anhand der Speziellen Relativitätstheorie sowie anhand von Beispielen aus der Kunst aus einem externen objektiven Beobachtungsstandpunkt analysiert, inwiefern die verschiedenen Positionierungen und Bewegungen der Raumzeitakteure bestimmte relative Raumzeiten je nach Darstellungsform und Bezugsystem auslösen, ohne die subjektive Raumzeiterfahrung der individuellen Beobachter_in zu berücksichtigen.

Im Kapitel 4 setzt sich der Verfasser dieser Arbeit anhand verschiedener Kunsttheorien mit der geistigen Raumzeit, der Kunsterfahrung und ihrer Verbindung zur physischen und empirischen Raumzeit der Darstellungsformen subjektiv auseinander. Hier werden die verschiedenen Raumzeiterfahrungen aus dem subjektiven Standpunkt der individuellen Beobachter_innen in Theater, Kino und Ausstellung analysiert. Ausgegangen wird hier von der subjektiven Natur der Kunsterfahrung, ohne eine objektive Wahrheit zu suchen. Basierend auf verschiedenen künstlerischen und philosophischen Theorien bezüglich des menschlichen Bewusstseins wer- den bestimmte Aufmerksamkeitsverlagerungen und Sinneseindrücke der Beobachter_innen im Verhältnis zur physischen und empirischen Raumzeit analysiert. Es wird untersucht, wie die Raumzeitakteure und –faktoren eine bestimmte Raumzeiterfahrung bzw. Aufmerksamkeitsvorgänge und Sinneseindrücke je nach Darstellungsform für die Beobachter_in auslösen. Die subjektive Raumzeiterfahrung ist im Verhältnis zur physischen und empirischen Raumzeit unterschiedlich je nach Darstellungsform. Aus diesem Verhältnis zwischen Realitäten entsteht eine bestimmte Raumzeit in Theater, Kino und Ausstellung.